Sie hat so viele Leben hinter sich, einige waren schlecht, aber viele waren gut, und vielleicht gibt es mehr als einen besten Weg. (Kap.43)
Single Lauren kommt eines Abends vom Junggesellinnenabschied ihrer Freundin nach Hause in ihre Wohnung, und es wartet ein Mann auf sie. Ihr Mann! Sie ist geschockt und weiß nicht, was sie machen soll. Sie ist es gewohnt, allein zu sein - wie ist man zu zweit?Aber Lauren findet schnell heraus, wie oder was da läuft.Die Situation, so neu sie ihr auch sein mag, ist klar. Sie wurde mit einem Ehemann ausgestattet, und jedes Mal, wenn dieser Ehemann auf den Dachboden geht, wird er durch einen anderen Ehemann ersetzt. Woher die Ehemänner kommen, wie viele es sind, in manchen Fällen ihre Namen - alles Rätsel, die sie zu gegebener Zeit lösen kann. Aber die grundlegenden Mechanismen sind unbestreitbar, ebenso wie die Tatsache, dass der aktuelle Ehemann, kurz gesagt, ein Reinfall ist. (Kapitel 4)Also schickt sie Mann um Mann wieder auf den Dachboden, um den nächsten zu empfangen.Wie schade, denkt sie. Sie ist müde. Es wäre schön gewesen, ins Bett zu gehen, gut zu schlafen und zu sehen, wie die Welt morgen aussieht, anstatt sich mit einem neuen Mann zu beschäftigen. Tja. Manche Ehen funktionieren einfach nicht. (Kapitel 22)Das letzte Zitat stammt definitiv aus dem überraschenden Wendepunkt-Kapitel in der Geschichte. Bohai ist ihr neuer Ehemann und nach ein, zwei Blicken will er freiwillig wieder auf den Dachboden, er flüchtet quasi. Denn Bohai ist schon von vielen Dachböden, aus Schränken und Kisten gestiegen, immer in ein neues Leben mit einem neuen Partner. Genau wie Lauren dies seit einem halben Jahr tut. Und sie finden zusammen, nicht als Lebenspartner, sondern mehr als Partner in Crime, als Rettungsanker, als Pause von all dem Neuen, was immer wieder auf sie wartet, und als Freunde.Phasenweise wirkt der Roman von Holly Gramazio wie eine Sozialstudie, in der Lauren das Studienobjekt ist und erzählt/festgehalten wird, wie sie sich verhält. Warum? Weil ihr Name nicht so oft fällt, sondern Lauren immer mit "sie" betitelt wird und die anderen (natürlich) als Ehemänner, manchmal mit Namen, wenn sich Lauren lange genug mit ihnen beschäftigt, um sie ein bisschen kennenzulernen, manche haben keinen und verschwinden auch gleich wieder auf dem Dachboden.Ich fand die Entwicklung von Lauren erstaunlich, ihre Suche, ihr Durchhalten, ihre Gedanken zwischendurch. Als wäre ihr Leben ein Experiment. Gerade das hat den Roman für mich so spannend gemacht.Sie mag ihn, aber sie weiß nicht, ob sie sich schon festlegen möchte. (Kapitel 7)Sie sollte den Ehemann suchen, den sie für immer behalten will, und nicht herumtrödeln; (Kapitel 30)Was, wenn sie für immer an Felix gebunden ist? Was ist dann? (Kapitel 20)..., wenn man vierhundert Varianten seines Lebens kennenlernt, ist das auch wie eine Zusammenfassung aller arschigen Seiten, die in einem schlummern. (Kapitel 24)Die Menge an guten Zitaten in diesem Roman ist fast erschreckend. Zu jeder Situation gibt es etwas. Als sie sich scheiden lassen will, genießt sie es, allein zu sein. Ist sie allein, stellt sie fest, dass sie sich daran gewöhnt hat, dass jemand etwas für sie tut, sich kümmert - und ja, Dating-Apps und ihre Kandidaten sind auch nicht besser als der Austausch auf dem Dachboden; der ist einfacher.Sie hat so viele Leben hinter sich, einige waren schlecht, aber viele waren gut, und vielleicht gibt es mehr als einen besten Weg. (Kapitel 43)Ob es ein "Ende gut, alles gut" werden wird, ist glücklicherweise nicht gewiss, aber:Was auch immer passiert, sie wird darauf vertrauen müssen, dass ihr zukünftiges Ich auch ohne die Hilfe eines verzauberten Dachbodens damit fertig wird. (Kapitel 43)**Spoiler**Nein, dies ist ein fiktionaler Roman und es gibt nicht den Ansatz einer Erklärung für den Dachboden. Keine Physik, keine Kontinuumsverschiebung, nichts.Fazit: Möchte man nicht manchmal auch einen magischen Dachboden haben?