Die Kolleginnen und Kollegen haben tatsächlich auch für mich als alten Hasen im Print- und Online-Journalismus sowie langjährigem Uni-Dozenten im Medienbereich zahlreiche Informationen zusammengetragen, die mir bislang nicht - oder nicht im Detail - bekannt waren und die ich für bedenkens- und diskussionswürdig halte.
Da vier Beiträge von mir in diesem Sammelband veröffentlicht wurden, bin ich befangen.
Deshalb möchte ich kein Loblied anstimmen, keine Lobhudelei verfassen.
Was mich an dem Buch überzeugt hat, ist die Vielfalt der Perspektiven. Die Autorinnen und Autoren stammen aus unterschiedlichen beruflichen Bezügen und beleuchten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus verschiedenen Blickwinkeln. Dadurch entsteht kein einheitlicher Meinungsbeitrag, sondern ein Mosaik aus unterschiedlichen Erfahrungen, Recherchen und Argumenten.
Nicht jede Schlussfolgerung wird jeder Leser teilen. Gerade deshalb lohnt sich die Lektüre: Das Buch regt dazu an, eigene Positionen zu überprüfen und sich anhand zahlreicher Beispiele und Dokumentationen selbst ein Urteil zu bilden. Machen Sie sich daher selbst ein Bild, was meine 19 Mitautorinnen und Mitautoren zusammengetragen haben.
Wer sich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Medienpolitik, journalistische Verantwortung und die politischen Rahmenbedingungen der Rundfunkanstalten, die uns als Wahlberechtigte in einer Demokratie korrekt und vielseitig zu informieren haben, interessiert, dürfte in diesem Buch zahlreiche Denkanstöße und etliche überraschenden Insider-Informationen finden, welche dem Beweis zugänglich sind.
Wer Argumente für eine Überprüfung der Beitragspflicht sucht, wird hier ebenfalls fündig.
Allerdings stellt das Buch keine "Werbung" für die Abschaffung der Betragspflicht oder gar des ÖRR dar, liefert jedoch Argumente für eine Reform der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungs- und des Bundesverwaltungsgerichts. Der ÖRR hat neutral und vielseitig zu informieren und nicht tendenziös, egal in welche Richtung. Für den ÖRR gilt, im Gegensatz zu den Privatmedien, kein Tendenzschutz. Die Wahrheit und Ausgewogenheit sind Pflicht für den ÖRR - und: es ist unser aller Rundfunk, denn wir bezahlen ihn.
Noch einen Anregung zum Nachdenken: Wieso haben die Bürgerinnen und Bürger der DRR früher BRD-Fernsehen geschaut? Weil es schlecht war? Wohl kaum.