"Herzflut" von Charlotte Paradise ist ein Buch, das emotional ziemlich hart trifft. Es ist eine Geschichte über Liebe, Trauma, psychische Belastungen und die schwierige Frage, was passiert, wenn zwei Menschen sich eigentlich lieben, aber beide mit ihren eigenen Verletzungen kämpfen. Dieses Geschichte bringt die Bedeutung von "richtige Person, falscher Zeitpunkt" näher und zeigt gleichzeitig, wie traurig und kompliziert dieser Gedanke sein kann.Die Autorin schreibt unglaublich intensiv und schafft es, Gefühle sehr roh und ehrlich darzustellen. Besonders die Darstellung von Intimität hat mir gefallen: Die Geschichte zeigt Nähe nicht nur durch große romantische Momente, sondern durch kleine Berührungen, Vertrauen und Verletzlichkeit. In einer Zeit, in der viele Beziehungen sehr oberflächlich wirken, fühlt sich diese Art von emotionaler Tiefe besonders erfrischend an.Sara leidet an PTBS und ist eine Figur, deren Schmerz sehr spürbar ist. Ihre Probleme mit ihrem Körper, Nähe und Vertrauen werden eindringlich beschrieben und machen ihre Entwicklung schwer, aber auch berührend. Als sie Miles kennenlernt, tragen beide ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich herum und müssen lernen, damit umzugehen. Ein großer Pluspunkt ist, dass das Buch auch die psychische Gesundheit von Männern thematisiert und zeigt, dass beide Seiten in einer Beziehung mit eigenen Problemen kämpfen können. Gleichzeitig gab es einige Stellen, die für mich etwas übertrieben, unangenehm oder zu plakativ wirkten. Auch manche Nebenfiguren und Diskussionen rund um Feminismus oder persönliche Überzeugungen waren für mich etwas zu einseitig dargestellt.Etwas zwiegespalten war ich bei der Auflösung von Saras Trauma. Die Darstellung ihrer Gefühle und Symptome war stark, aber ich hätte mir gewünscht, dass komplexes Trauma noch etwas breiter betrachtet wird. Trotz dieser Kritikpunkte ist "Herzflut" ein beeindruckend geschriebenes Debüt. Es ist kein leichtes Buch und sollte unbedingt mit Blick auf die Triggerwarnungen gelesen werden.