Some things never change in China: Die Partei hat immer Recht.
Nicht schlecht geschrieben, erreicht aber nicht die Höhe des Vorgängerromans Wilde Schwäne. Der neue Roman Fliegt, wilde Schwäne ist sehr emotional geschrieben, handelt aber mehr von der Autorin und ihrer Familie als vom Schicksal Chinas. Und eine Familie, sei sie noch so groß oder bedeutend, kann nicht stellvertretend für eine Milliarde Menschen sein.In beiden Büchern war ich erschüttert von Maos "Langem Marsch¿ durch das riesige Reich, gefolgt von Würdenträgern und einfachem Volk. Mao hatte ihn zwar als Fußmarsch angeordnet, aber er und seine ausgewählten Würden- und Wasserträger sind nur am Anfang und am Ende tatsächlich zu Fuß gegangen, während alle anderen zu Fuß gehen mussten, inklusive der schwangeren Frau eines der begünstigten Würdenträger. Die Frau, die Mutter der Autorin, verlor ihr erstgeborenes Baby. Auch in diesem Buch geht es oft um Vergünstigungen, die der Vater der Autorin, ein lange Zeit überzeugter dogmatischer Kommunist, nicht gewährte oder sích sogar gegen den Bittsteller aussprach, weil es um Familienangehörige ging und er wollte nicht seine eigene Familie bevorteilen. Interessant fand ich Jung Changs Recherchearbeiten zu dem Buch über Mao und anderen ihrer Werke, was für Verbrechen sie dadurch zu Tage förderte. Verbrechen, die der große Vorsitzende persönlich beging oder anordnete. Aber einiges davon war schon in Wilde Schwäne ersichtlich. Man denke nur an den Langen Marsch. Ebenso fand ich faszinierend, wie Jung Interviews mit Ehefrauen ehemaliger Potentaten führt und was für interessante Einzelheiten sie über die recherchierten Personen dadurch erfährt. Etwas ist allen Diktaturen gemeinsam: Auflockerung der Zensur und Öffnungen Richtung Freiheit und Demokratie sind immer nur kurzfristig und zum Schein. Im Hintergrund lauert immer der übermächtige Polizeiapparat als Werkzeug des Staates und der Partei.