Ein kurzer, seltsamer Text über einen Menschen, der sich der Welt entzieht ¿ passiv, leise, höflich und gerade darum so stark
Wer kennt ihn nicht, Bartleby? Zumindest den Namen oder diesen berühmten Satz: "Ich möchte lieber nicht." Ich kannte ihn natürlich auch irgendwie, gelesen hatte ich ihn aber erst jetzt. Mit Moby Dick hatte ich meine Mühe. Das war für mich stellenweise wirklich ein Kampf. Bartleby ist ganz anders: kürzer, zugänglicher, fast locker erzählt - und trotzdem wird diese Geschichte immer unheimlicher und trauriger.Was mich so beeindruckt hat: Bartleby rebelliert nicht laut. Er hält keine Rede, er erklärt nichts, er bietet keine Alternative an. Er sagt einfach immer wieder, dass er lieber nicht möchte. Das klingt zuerst fast harmlos, bringt aber nach und nach das ganze System aus Arbeit, Gehorsam, Büro, Pflicht und Normalität ins Wanken.Für mich gehört Bartleby zu diesen literarischen Figuren, die nicht so funktionieren, wie die Gesellschaft es verlangt. Aber gerade weil er nicht kämpft und sich nicht rechtfertigt, wirkt er so stark. Er ist kein Held, eher eine stille Störung in einer Welt, die nur funktioniert, wenn alle mitmachen.Ich fand das erstaunlich modern. Eine kurze Erzählung, aber eine, die einen sofort zum Nachdenken über Arbeit, Anpassung und Gesellschaft bringt.