Spoilerfreie Meinung¿Eigentlich bin ich dafür, Bücher abzubrechen, wenn sie einem nicht gefallen. Selbst die Hoffnung, dass es besser wird, habe ich nach der Hälfte aufgegeben. Trotzdem habe ich weiter gelesen, weil ich dachte: Bestimmt gefällt mir das Fazit. Im gesamten Buch gab es für mich nur eine Szene, die mich berührt hat. An der Stelle hätte das Buch für mich enden müssen. Wenn man gerne Essays liest, kann das Buch bestimmt schön sein. Denn es wurden viele wichtige Themen diskutiert, von Glaube bis hin zum Klimawandel. Aber wenn man die Personen betrachtet, den Schreibstil und wechselseitige Ansichten (von tiefgründig bis unsensibel) blieb bei mir vorallem Verzweiflung und Unsympathie zurück. Achtung, ab hier folgen Spoiler¿Setting ¿¿Die Umgebung kam kaum rüber. Einmal fahren Alice & Felix in den Urlaub. Der Settingswechsel war da ganz schön. Ansonsten sind sie oft auf Partys unterwegs. Aber auch von diesen wird nicht viel beschrieben. Im Vordergrund stehen wirklich die Gespräche und Charaktere. Aber mir hat die Settingsbeschreibung gefehlt, da die Gespräche teilweise sehr monoton wirkten. Charaktere ¿¿,5AliceZunächst fand ich Alice sympathisch. Eine Autorin, die viel nachdenkt & auch mit Problemen zu kämpfen hat. Leider verlor sich das über die Zeit. Die Beziehung zu Felix ging mir erst viel zu schnell. Sie kennt Felix erst ein paar Tage. Ja, es war intensiv, aber dennoch nur ein paar Tage. Und schon wird sie mit ihm sehr tiefgründig über Beziehungen. Für mich setzt sie sich bei Felix viel zu wenig durch. Am Ende streitet sie sich mit ihm und er wirft ihr Verschiedenes vor. Sie sagt, ihm zwar, dass das nicht okay ist ("Ist es zu viel verlangt, dass du mich nicht dafür kritisierst, wie ich bin?"), aber zieht für sich daraus keine Konsequenz. In einem Streit mit Eileen, am Ende, ist sie wirklich überhaupt nicht empathisch und entschuldigt sich nicht. Auch wenn ihre damalige Situation schwer war, muss ich Eileen in Schutz nehmen. Denn so eine Behandlung hat man als Person, die sich sorgt, nicht verdient. Auch Simon bezeichnet sie als "Schlimmsten von allen", obwohl er sie damals ins Krankenhaus brachte. Und auch da findet man bei ihr keine Einsicht. FelixFelix fand ich nicht sofort sympathisch, aber ich ließ mich auf ihn ein. Leider wurde mein Bild von ihm immer negativer und es blieb auch dabei. Schon, als Alice ihn nach einer früheren Beziehung fragt, übernimmt er keine Verantwortung. Auch wenn man nicht erfährt, was passiert ist, dachte ich mir zu dem Zeitpunkt schon, dass er möglicherweise wenig reflektiert. Er beschrieb Alice, dass seine Freundin ihn zum Ende der Beziehung als kalt und unnahbar beschrieb. Er meinte dann, dass er sich das damals schon oft genug anhören musste und er ihr nicht mehr nach weine. Außerdem gab es eine Szene, in der er Alice gesteht, ein minderjähriges Mädchen gedatet zu haben. Es wirkt in der Situation einfach sehr schnell vergeben, in dem er sagt :" Ich würde gerne Ja [dass ich darüber nachgedacht habe] sagen, aber in Wirklichkeit habe ich nicht darüber nachgedacht". Auch wenn ich mir selbst in der Umsetzung unsicher wäre, ging das viel zu schnell. Selbst als Alice es disktutierte und er es reflektierte, war es zu schnell vorbei. Später fragt er Alice (im wohlgemerkt betrunkenen Zustand), was ihr Problem sei und ob sie ihre Tage hätte. Und ja, er war betrunken. Deshalb hoffte ich, dass er sich später bei ihr aufrichtig entschuldigen würde. Das ist nicht passiert. Alice sagt in dieser Situation auch, dass es nicht okay ist. Aber ihre Konsequenz daraus ist, mit ihm zu schlafen. Nicht sich abzuwenden. Trotzdem sollte das Ende zeigen, dass sie ein glückliches Paar sind. Für mich ist Felix deshalb eine Red Flag. Ich konnte mich nicht für sie freuen, sondern ihr nur empfehlen, sich zu trennen. Ein weiteres Beispiel dafür ist, dass er bei dem ersten "Ich liebe dich" es nicht zurück sagen konnte. Und das ist vollkommen okay. Aber bei jedem weiteren Mal, wo sie das sagt, antwortet er immer mit: "Das tust du, ja."Außerdem findet er spannend, dass Alice wohlhabend ist. Langsam, aber stetig beschlich mich das Gefühl, dass er auf ihr Geld aus ist. Ich habe kaum verstanden, warum er mit seinem Bruder das Haus nicht verkauft. Rein emotional ist das verständlich, aber das ständige Verweisen auf ihr Reichtum ist schwierig. Als er die Freunde von Alice kennenlernt begutachtet er, Eileen als auch Simon. Irgendwie fand ich das seltsam und vielleicht sogar übergriffig, auch wenn es nur in seinem Kopf passierte. Ganz allgemein fand ich, dass er sich zu Beginn unreflektierter als am Ende verhielt. Und vielleicht sollte Felix mir einfach nur zeigen, wie man sich in Menschen täuschen kann. EileenEileen konnte ich am Anfang nicht ganz greifen. Man lernt sie nur über den E-Mail Kontakt kennen. Und die Mails wirkten austauschbar und hätten genauso gut von Alice sein können.Wie auch schon bei Alice & Felix, ging mir die Beziehungsentwicklung zwischen ihr und Simon zu schnell. In einigen Spice-Szenen beschreibt sie Simon eine "Ehefrau", die alles für ihn tun würde. Kochen, Wäsche, alles. Als er sie darauf anspricht, dass das ja nicht feministisch und eher altmodisch sei, meint sie, dass sich alle Menschen das wünschen. Und das ist ein wirklich guter Punkt. Jeder wünscht sich jemanden, der sich um einen sorgt. Aber leider blieb es bei dem einen Satz und die "altmodische" Fantasie wurde weitergeführt. Auf der einen Seite, wenn das eine Vorliebe zwischen zwei Personen ist, ist das in Ordnung. Aber auf der anderen Seite bleibt bei mir immer das Fragezeichen, ob das nicht zu sehr auf rein sexistischen Prinzipien basiert. Aber Eileen macht auch deutlich, dass sie das nicht schlimm findet. In einer Situation sagt sie sogar explizit:Es ist sexistisch, sagte sie. Nicht, dass es mir etwas ausmachen würde. Es schmeichelt.Da bekomme ich pure Gänsehaut. Weil ich zwar verstehe, wenn es ihr gefällt, aber nicht verstehe, dass es gar nicht einordnet wird. Dass es im Großen ein schädliches Prinzip ist. Außerdem kann ich das bei ihr nicht mit den E-Mails zusammenführen. Sie scheint sich am Marxismus zu orientieren. So eine Aussage passt da wenig rein. Aber natürlich in die Urform des Marxismus. Vielleicht meinte sie ja den. Über den gesamten Verlauf des Buches nahm ich sie eher als passiv-aggressiv wahr. Am Ende wird es dann aufgeklärt und ich konnte sie da sehr nachvollziehen. Die süßeste Szene war für mich, als sie sich mit Alice vertrug. Es war herzerwärmend, auch wenn ich die schnelle "Umkehr" nicht verstand. Meiner Meinung hätte hier das Buch enden sollen. SimonSimon war mir sympathischer als die anderen Personen. Er kann einigermaßen gut kommunizieren und reflektiert sich auch im Streit. Man lernt ihn aber auch, als die Person kennen, die "das Leben im Griff hat". Trotzdem konnte ich ihn nicht wirklich gut kennenlernen. Da fehlten einfach Informationen, über ihn selbst. Wie sieht sein Freundeskreis aus? Wie geht es ihm mit der Trennung?Handlung ¿¿Einige Essays in den E-Mails haben mich interessiert. Es wurden auch durchaus wichtige Themen angesprochen und diskutiert.Aber es gibt im Buch keinen roten Faden. Es gibt für mich kein Ziel. Auch im Nachhinein kann ich keinen Spannungsaufbau feststellen. Man begleitet Personen durchs Leben, ohne wirklich zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Für mich trägt der Schreibstil auch dazu bei. Schreibstil-Gefühl ¿,5Es ist ein sehr ungewohnter Schreibstil. Alles ist im Präteritum geschrieben, mit ausschließlich indirekter Rede. Der Inhalt ist monoton, aber durch diese Schreibweise fühlte sich alles noch monotoner an. Es fühlte sich für mich ein bisschen wie eine beschlagene Glasscheibe an. Das Schriftbild ist unstrukturiert & nur selten blickt man vollständig durch. Durch die Perspektive aus der dritten Person hatte ich auch das Gefühl, nicht gut einzusteigen. Man sieht alles nur auf Distanz und dringt nicht zu den Personen durch.Außerdem wurden die Personen nicht wirklich eingeführt. Zu Beginn war ich mir dann über die Beziehungskonstellationen sehr unsicher. Mir fiel auch auf, dass in den E-Mails immer sehr tiefgründig und sensibel diskutiert wurde, während in den realen Situationen unsensibles wie z.B. stereotypen basierte Wörter erwähnt wurden oder auch unreflektiert gehandelt wurde. Für mich konnte ich die Personen dadurch nicht gut zusammenbringen. Dadurch wirkt es fast, als hätten die Themenessays unbedingt in diesen Roman gemusst. Und nun zu einem Problem, wo ich sehr viel drüber nachgedacht habe. In einer Sexszene wird beschrieben, dass Eileen mit leiser, kindlicher Stimme frage, ob sie die Einzeige sei, die er liebe. Mir geht es hier, um das Wort "kindlich". Für mich kommt da ein ganz seltsames Gefühl auf. Man könnte argumentieren, dass es im Rahmen von Erwachsenen mit (unausgesprochenem) Konsens passiert. Aber mit Sprache passiert ja auch vieles. Wenn Simon Eileen einerseits als "braves Mädchen" bezeichnet, und dann so etwas darauf folgt, entsteht für mich ein Beigeschmack. Unterhaltung ¿¿Für mich war das Buch wirklich ein Kampf. Ich habe es vor einem Jahr geschenkt bekommen, kurz reingelesen, aber dann nicht mehr weiterverfolgt. Ich kann es wirklich kaum als Roman empfehlen, vielleicht als Ansammlung von Essays, wenn man ausschließlich die E-Mails liest. Für einen Roman gab es für mich einfach zu viele Widersprüchlichkeiten und Längen. Aber bestimmt finden viele den Schreibstil auch total toll. Vieles ist und bleibt subjektiv :)